Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 26. Juni 2000

"Wir fühlen uns diskriminiert"

Punks wollen eigenen Treffpunkt - Breite Straße soll keine Tabu-Zone werden

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Da sind sich "Kümmel", "Steffi", "Sklode" (Clemens), Didi (v. li.o.) und Tilla (u.) einig: "Ganz werden wir aus der Innenstadt nie verschwinden."; Foto: N. Dorel

Als unbefriedigend bezeichnen die Punks ihre Situation in der Hansestadt. "Wir fühlen uns diskriminiert", sagt Clemes. "Ständig werden wir aus der Innenstadt verjagt." Aber als Treffpunkt bräuchten sie einen zentralen Ort, damit jeder der Punks weiß, wo er die anderen findet. Und der darf nicht irgendwo außerhalb liegen, dafür reiche das Busgeld nicht. Es soll ein wettergeschützter Ort sein, den sie sich nach eigenen Vorstellungen herrichten würden und wo es keinen stört, was sie tun. Die "Alternative" sei nicht geeignet, da die Punks dort unerwünscht seien.

Punker und Mitglieder der Grünen sowie PDS erarbeiteten im Herbst 1999 zusammen ein Konzept, wie die Bedürfnisse der Punks besser erfüllt werden könnten. Im Mai diskutierte der Jugendhilfeausschuß gemeinsam mit Clemens als Vertreter der Szene deren Wünsche. Auf Antrag der Grünen soll die Bürgerschaft nun die Stadtverwaltung beauftragen, zusammen mit den Punks einen Bericht über deren Situation zu erstellen.

Ziel des Projektes ist es nicht die Punks aus der Breiten Straße zu vertreiben oder sie durch Maßnahmen in die Gesellschaft wieder einzugliedern - "Aber wir würden sicherlich weniger hier sitzen, wenn wir unsere eigene Bude hätten", meint Tilla.

Die Gruppe der Punks besteht in Lübeck zur Zeit aus 20 bis 30 Personen, alle mit festem Wohnsitz. Deutlich distanzieren sie sich von der harten Drogenszene. War die Punkbewegung anfangs auf die atomare Bedrohung bezogen, fokussierte sie sich Ende der 80er Jahre auf die Hoffnungslosigkeit im Bezug auf soziale Sicherheit und Erwerbstätigkeit.

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