Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 03. Juli 2000

Blankensee: Boeing stürzt ab mit 230 Passagieren

Annahme für ein Planungsseminar für den vorbereitenden Katastrophenschutz:Was ist bei Flugunfällen zu tun?

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Fleißarbeit: Bernd Leichsenring, Lübecker Berufsfeuerwehr, fertigte das Modell des Lübecker Flughafens für das Planspiel

Es sollte ein Flug wie jeder andere werden: Der Ferienflieger vom Typ Boing 757, vollbesetzt mit 230 Passagieren, ist auf dem Rückflug nach Lübeck. Doch bei der Landung in Blankensee verliert der Pilot die Kontrolle über seinen Jet, das Flugzeug schlägt hart auf der Piste auf, zerbricht, schlittert über die Rollbahn und fängt Feuer. Sofort alarmiert der Tower des Flughafens die Flughafen-Feuerwehr, die so schnell wie möglich mit ihren vier riesigen Löschfahrzeugen zum Unfallort rast und das Feuer bekämpft.

Anhand dieses Ausgangsszenarios hat kürzlich ein Planungsseminar für den vorbereitenden Katastrophenschutz an der Landesfeuerwehrschule Schleswig-Holstein in Harrislee bei Flensburg stattgefunden. Zwei Tage lang erörterten Vertreter der Berufsfeuerwehr Lübeck, der Werksfeuerwehr des Flughafens Hamburg, aller in Lübeck tätigen Rettungsdienste und Katastrophenschutzorganisationen (ASB, THW, DRK, JHU, MHD), der Leitenden Notarztgruppe der Hansestadt Lübeck, des Bundesgrenzschutzes, der Bundeswehr, der Polizeiinspektion Lübeck, der Flughafen Lübeck GmbH, des Kreises Herzogtum Lauenburg und des Führungsstabes (KatSL) der Hansestadt Lübeck, was bei einem Flugzeugabsturz in Lübeck zu tun ist.

Nach Hamburg ausweichen

Dabei ist, wie Flughafen-Chef Dr. Peter Steppe betonte, ein Flugzeugabsturz in Lübeck-Blankensee eine geradezu hypothetische Annahme. Denn sollte ein Passierflugzeug vom Typ 737 oder 757 bereits vor der Landung technische Schwierigkeiten bekommen, so würde die Landung des Jets nur im äußersten Notfall tatsächlich in Blankensee sein. Es würde, so erklärte Steppe, auf jeden Fall versucht werden, das Flugzeug so lange wie möglich in der Luft zu halten und es zum nächsten größeren Internationalen Flughafen umzuleiten, wahrscheinlich nach Hamburg-Fuhlsbüttel.

Die dortige Infrastruktur ist besser, auch wenn die Werksfeuerwehr des Lübecker Flughafens hochmoderne Fahrzeuge und bei der Lufthansa in der Bergung und Evakuierung geschulte Mitarbeiter hat. Der Vize-Chef der Flughafen-Feuerwehr Hamburg verwies auf das Gefahrenpotential eines Passagierflugzeugs: Selbst wenn ein Jet nach langer Flugstrecke zur Landung ansetzt, befinden sich noch einige Tonnen Kerosin an Bord. Fängt das Flugzeug bei der Bruchlandung Feuer, ist höchste Eile angesagt: Nur wenn es der Flughafen-Feuerwehr gelingt, die Flammen innerhalb kürzester Zeit zu löschen, haben die Passagiere eine Chance, das Luftfahrzeug lebend zu verlassen. Ansonsten bleibt den Rettungskräften, die erst nach mehreren Minuten am Unglücksort eintreffen, wenig mehr zu tun, als die Opfer zu bergen und diejenigen, die das Flugzeug verlassen können, medizinisch und psychologisch zu versorgen.

Bei einem Flugzeugcrash sind die Retter in einer mißlichen Situation: Denn nach Aussagen der Werkfeuerwehr Hamburg, müßten bei einem Feuer innerhalb von 90 Sekunden alle Passagiere über die Hälfte der vorhandenen Notausgänge das Flugzeug verlassen haben. Schaffen sie es nicht, besteht wenig Hoffnung. Denn auch wenn die Außenhaut eines Flugzeuges nur aus ein bis zwei Millimeter starkem Aluminium besteht, so haben Rettungskräfte kaum Möglichkeiten, von außen in den Rumpf vorzudringen. Zu stark sind die Verstrebungen und Versteifungen eines Jets, als daß sie sich mit Hydraulikscheren oder anderem Gerät öffnen ließen.

Seelsorger-Gruppe

Noch schlimmer ist es, sollte ein Militärflugzeug - etwa ein Tornado - bei der Landung zu Bruch gehen: "Wenn Ihnen die Besatzung nicht helfen kann, haben Sie ein Problem!", sagte ein Vertreter des Marinefliegergeschwaders trocken. Selbst Kampfflugzeuge, die keine scharfe Munition an Bord haben, seien derart vollgestopft mit Sprengsätzen, beispielsweise fürs Abfeuern des Schleudersitzes oder des Dachs, daß es für Nicht-Bundeswehrangehörige lebensgefährlich wäre, den Piloten zu retten.

Auch wenn das in Harrislee durchgespielte Szenario utopisch klingt, so hat sich gezeigt, daß der Katastrophenschutz auf solch ein Ereignis vorbereitet ist. Die Pläne beinhalten beispielsweise auch Anweisungen dar-über, wie Angehörige informiert, Gaffer ausgesperrt und die Medien sowie die

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