Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 03. Juli 2000

Wenn der Stab übt

Wer übernimmt die Führung im K-Fall?

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Konzentriert ben für den Notfall - hier im Stabsraum der Akademie in Ahrweiler Foto: M. Erz

Während ein Flugzeugabsturz von den Fachleuten des Katastrophenschutzes als ein Schadensereignis mit "örtlicher Begrenzung" eingestuft wird, das vor Ort mit den vorhandenen Hilfskräften und dem bereitgehaltenen Gerät "abgearbeitet" werden kann, sind auch andere "Lagen" denkbar. Die Schneekatastrophe von 1979 beispielsweise, die weder räumlich, noch zeitlich begrenzt war und die nur mit dem Zusammenspiel von Hilfskräften einer größerer Region bewältigt werden konnte.

Das hochkomplizierte Zusammenspiel einer Vielzahl von Rettungskräften, Spezialisten und kurzfristig zusammengerufen Einsatzkräften wird dabei in einem Führungsstab koordiniert, der frühzeitig einberufen wird und je nach Schadensumfang mit einem größeren oder kleineren Team rund um die Uhr besetzt ist.

Die sogenannte Katastrophenschutzleitung (KatSL) arbeitet dabei fern der Schadensstelle in einem Gebäude der Verwaltung - in Lübeck ist dies ein eigens hergerichteter Stabsraum bei der Berufsfeuerwehr in der Bornhövedstraße. Hier sollen im Katastrophenfall alle Schadensmeldungen einlaufen. Von hier wird entschieden, welche Rettungskräfte eingesetzt werden, welches Gerät an die Unfallstelle herangeführt wird, ob die Nachbarkreise und das Innenministerium in Kiel um Hilfe gebeten und welche Informationen an die Bevölkerung herausgegeben werden.

Chef des Katastrophenstabes ist der Bürgermeister, doch haben neben den Führungskräften der Feuerwehr und der Hilfsorganisationen noch andere Verwaltungsmitarbeiter dort einen reservierten Stuhl (siehe Stichwort).

Damit die Zusammenarbeit im Katastrophenfall, der schlimmstenfalls mitten in der Nacht eines Wochenendes in der Ferienzeit hereinbricht, auch funktioniert, müssen diese Führungsstäbe miteinander üben. Dies geschieht unter anderem in regelmäßigen Abständen in der Katastrophenschutzakademie des Bundes in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dort - auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne - geben Experten und Dozenten den Führungsstäben den letzten Schliff. Lübecks Stab war zuletzt im Mai vor Ort und übte fünf Tage lang unten den kritischen Augen der Bundesexperten die Abwicklung von Schadenslagen und Katastrophen. Ein Absturz einer Miltärmaschine auf ein Kaufhaus in der Innenstadt Lübecks war nur eines der angenommenen "Großschadenslagen", die dabei in Echtzeit durchgespielt und kritisch überprüft wurden.

Aus Lübeck nahmen unter der Leitung des stellvertretenden Feuerwehrchefs Bernd Neumann auch führende Mitarbeiter der Hilfsorganisationen DRK, THW, Malteser Hilfsdienst und ein leitender Notarzt teil. Abwechselnd mit KatSL-Teams aus Neumünster und Stormarn wurde der Übungs-Stabsraum in ein pulsierendes Lagezentrum verwandelt, dessen Binnenklima sich bei der konzentrierten Arbeit zwischen Streß und professioneller Gelassenheit bewegte.

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