Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. Juli 2019

Ausgabe vom 03. Juli 2000

"Aus Zorn auf die Kreispartei kandidiert"

Wolfgang Halbedel,55, ist der neue Wirtschafts- und Sozialsenator

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Der neue Senator für Wirtschaft und Soziales, Wolfgang Halbedel, 55, wird nicht vor dem 1. August sein Amt antreten. Zunächst werde er mit seiner derzeitigen Dienststelle in Kiel reden, teilte er am vergangenen Freitag mit. Eine Entscheidung hat der neue Dezernent des Fachbereichs 2 bereits getroffen: Sein Amtssitz wird er im Verwaltungszentrum Mühlentor nehmen. Hier hatte auch Senatorin Dagmar Pohl-Laukamp ihr Büro.

Halbedel begründete auch noch einmal, warum er völlig überraschend gegen Hermann Junghans kandidiert habe: Der Zorn auf die Kreispartei und den Kreisvorsitzenden habe ihm diese Entscheidung erleichtert, so Halbedel.

Mit Spannung wurde am vergangenen Donnerstag das Auszählen der Stimmen verfolgt. Um 17.40 Uhr gab Stadtpräsident Peter Oertling das Wahlergebnis bekannt: Von den 49 Bürgerschaftsmitgliedern hatten sich in geheimer Wahl 28 für Wolfgang Halbedel entschieden,
17 votierten für Hermann Junghans und vier hatten sich ihrer Stimme enthalten. Die Sensa-
tion war perfekt: Erst in der Sitzung von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vorgeschlagen, wurde völlig überraschend der 55jährige Berufsschullehrer der Dezernent für den neu geschaffenen Fachbereich Wirtschaft und Soziales.

Entsetzen bei der CDU-Fraktion und bei Hermann Junghans, aber auch kein euphorischer Jubel bei den Bündnisgrünen. "Wir haben das kleinere Übel gewählt", kommentierte etwa die Fraktionsvorsitzende Antje Jansen das Ergebnis.

Auch Gabriele Hiller- Ohm, Fraktionsvorsitzende der SPD, äußerte sich verhalten:"Junghans war für uns nicht akzeptabel, wir sind nicht froh über Wolfgang Halbedel, aber die ganze Situation ist nicht schön." Das Wahlergebnis zeige allerdings deutlich, daß die Bürgerschaft halbedel gewollt habe.

"Da hat der Egoismus gesiegt. Bedauerlich, daß sich der Unterlegene Mehrheiten außerhalb der Fraktion sucht", kommentierte CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Puschaddel die Wahl. Halbedel hatte bei der offi-
ziellen Nominierung der Fraktion im Mai gegen Junghans kandidiert, unterlag aber mit neun zu 12 Stimmen.

Doch diese Kandidatur hatte nicht nur innerparteilich, sondern darüber hinaus bei den anderen Parteien und sogar in Teilen der Wirtschaft für Unmut gesorgt. Es wurde angezweifelt, daß er die für das Amt notwendige Qualifikation hat; zudem wurden ihm private Verfehlungen vorgeworfen (die SZ berichtete).

Trotzdem hielt die Fraktion an Junghans fest. Noch am Montag vor der Bürgerschaftssitzung stärkte sie ihrem Kandidaten demonstrativ den Rücken. "Wir haben zur Geschlossenheit zurückgefunden", kommentierte der Fraktionsvorsitzende Klaus Puschaddel das Votum. Doch diese Geschlos senheit hat wohl nicht lange gehalten, denn mit 17 Stimmen hat Hermann Junghans nicht einmal alle -
21 mögliche, Halbedel wird kaum seinen Konkurrenten gewählt haben - seiner eigenen Fraktion bekommen.

Laut Kooperationsvertrag mit der SPD-Fraktion hatte die CDU das alleinige Vorschlagsrecht für den frei gewordenen Senatoren- posten, nachdem Ende April Wirtschaftssenator Gerd Rischau, CDU, in den Ruhestand gegangen und zum 30. Juni nun auch Sozialsenatorin DagmarPohl-Laukamp ausgeschieden ist.

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