Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. Juli 2019

Ausgabe vom 03. Juli 2000

Abzockerei wird ständig praktiziert

Zu: "Geschwindigkeit wird weiter kontrolliert". SZ vom 20. Juni

Den Vorwurf der Abzockerei in Lübeck kann ich durch mehrere Beispiele belegen:

1. Der Radarwagen steht praktisch ausschließlich an Stellen, an denen eine relativ geringe Überschreitung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit - bis zirka 65 Stundenkilometer - die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt. Das wären St. Jürgen-Ring, Hüxtertorallee, Falkenstraße und die Ausfallstraßen. Wenn ich mit Tempo 53 aus dem fließenden Verkehr in der Hüxtertorallee geblitzt werde, dann spreche ich nicht von Raserei, sondern zweifellos von Abzockerei.

Nur habe ich den Radarwagen in den drei Jahren vor der Schule in der Albert-Schweit- zer-Straße noch nie gesehen. Wer dort morgens zu Schulbeginn mit drei Stundenkilometer über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit fährt, ist für die Situation eindeutig zu schnell. Dort wäre es dringend erforderlich, die Geschwindigkeiten zu kontrollieren.

2. Am Parkplatz Maritim-Hotel werden in nächster Zeit Parkscheinautomaten aufgestellt. Mit absoluter Sicherheit werden dort ebenfalls ähnlich überhöhte Parkgebühren verlangt wie im Lübecker Stadtgebiet. Also wieder ein Beispiel für Abzockerei.

3. Unser Bausenator Dr. Volker Zahn möchte die Vorderreihe in Travemünde umgestalten. Ohne ihre Einwilligung drückt die Stadt jedoch die Kosten für diese Maßnahme den Anwohnern auf. Klare Abzockerei!

4. Durch ein großes Reiseunternehmen soll der Priwall ein Tourismuszentrum für betuchte Urlauber werden. Die Camper schauen dann in die Röhre.

Menschen, die nicht im Geldregen schwimmen, aber trotzdem Naherholung suchen, wird der Priwall damit vergällt, daß gegen die Belästigung von Hunden am Strand trotz offiziellem Verbots nichts unternommen wird. Wieder Abzockerei!

5. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft "Trave" liegt mit ihren Mieten mit zirka zwei Mark pro Quadratmeter deutlich über denen der anderen Baugenossenschaften wie Lübecker Bauverein, Heimstätten oder Neue Lübecker. Die Leistungen sind dabei eher schlechter als die der "Mitbewerber".

Mit der doppelmoraligen Entschuldigung, daß die "Trave" alle Mieter nehmen müsse, werden die Menschen abgezockt.

Die Liste ließe sich praktisch endlos fortsetzen, leider sprengt sie den Umfang eines Leserbriefes, aber was Abzockerei ist, ist eine rein subjektive Sache.

Ich meine aber, daß Abzockerei in Lübeck kein unbegründeter Vorwurf ist, sondern ständig praktiziert wird.

Manfred Vandersee, Lübeck

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