Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 03. Februar 1998

Was tun gegen Gewalt

Professor Struck: "Konfliktfähigkeit trainieren"

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Die Anzahl der Straftaten stagnierte von 1992 bis 1994 und steigerte sich 1995 um 4,74 Prozent. 1996 sind die Straftaten deutlich um 18,3 Prozent auf 30.522 gesunken.

"Im letzten Jahr ist die Zahl der Straftaten um 18 Prozent gesunken, die Hansestadt ist nicht mehr trauriger Spitzenreiter in der Kriminalstatistik," sagte Professor Peter Struck. "Doch jeder Akt der Gewalt ist einer zuviel." Der Erziehungswissenschaftler war aus Hamburg zu der Veranstaltung "Gewalt in unserer Stadt. Wie entsteht sie, was können wir dagegen tun?" gekommen. Dazu hatte der Kriminalpräventive Rat ins Rathaus eingeladen.

Als Ursachen nannte Struck den Zerfall der Familien, die Verlagerung innerer Werte auf Materielles und den Einfluß der Medien, besonders des Fernsehens. Grundbedürfnisse wie Liebe und Körperkontakt, feste Bezugspersonen, Achtung, leistungsgerechte Anforderungen und feste Grenzen würden nicht mehr stimmig befriedigt. Die wenigsten Kinder hätten gelernt, mit Konflikten umzugehen: "Bei Problemen kommen schnell Fäuste zum Einsatz."

Damit Gewalt erst gar nicht entsteht, rät Professor Peter Struck zu einem Bündel von Maßnahmen: Konfliktfähigkeit zu trainieren sei so wichtig wie Lesen- und Schreibenlernen. Damit sollte man im Kindergarten anfangen. "Erst wenn Kinder Alternativen kennen, können sie auch angewendet werden." Der wachsenden Gewalt in Kindergärten stehen Erzieherinnen und Erzieher oft hilflos gegenüber, wie in der Diskussion deutlich wurde. Und Fortbildungsangebote zu diesem Thema fehlten in Lübeck völlig. "Derartige Seminare einzurichten, könnte eine Aufgabe sein", so die Quintessenz der Vorsitzenden des Kriminalpräventiven Rats und Sozialsenatorin Dagmar Pohl-Laukamp.

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