Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 25. Juli 2000

Altstadtfest:Lubinchen kommt

Motto:"Lübeck 2000 - Kulturerbe ist Zukunft" - Altstadtfestpaß gilt für Busfahrten

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Anno 1979: "Lubinchen" und Heino Heiden beim 3. Lübecker Altstadtfest; Foto: SZ-Archiv

"In unserer schnellebigen Zeit gilt es mehr denn je, bestehende Werte sorgsam zu wahren und alte Traditionen in sinnvoller Weise zu pflegen." Mit diesen Worten wenden sich Stadtpräsident und Bürgermeister an ihre "lieben Mitbürgerinnen und lieben Mitbürger" im Festprogramm zum Altstadtfest - zum dritten am 8. und 9. September 1979. Doch diese Zeilen könnten auch für das Altstadtfest 2000 gelten. Dabei ist diesmal alles ganz anders - viel größer, bedeutend teurer, es wird länger gefeiert (von Freitag, 8. bis Sonntag, 10. September), erstmals wird für bestimmte Bereiche Eintritt verlangt und erstmals wird es durch eine Agentur, den Hamburger Event-Veranstalter Uwe Bergmann, vermarktet.

Das wäre vor 21 Jahren noch völlig unvorstellbar gewesen, als "Altstadtfestmutter" Milvi Tetzlaff über 1000, zumeist ehrenamtliche, Helfer zur Seite standen, um das Fest erfolgreich ablaufen zu lassen. Mit weiteren Aktiven, wie Privatleuten, Vereinen und Organisationen, die Stände, Spiele und Attraktionen präsentierten, waren es weit mehr als 3000 Menschen, die für das Gelingen des Festes sorgten.

In diesem Jahr, so Tourismusdirektor Johann W. Wagner, "ist es ein Ziel, das Altstadtfest wieder zu einem Fest zu machen, das von Lübeckern für Lübeck und seine Gäste gestaltet wird und das in den nächsten Jahren zu einem Festival weiterentwickelt werden kann."

Doch wird das erreicht, wenn es bereits im Vorfeld Unmut über deutlich höhere Standpreise, Vorgaben des Haupt-sponsors, der Holsten-Brauerei, zum Bierausschank und das Eintrittsgeld gibt?

Jana Kürbis, Projektleiterin der LTZ, die mit der Neukonzeption des Altstadtfestes beauftragt wurde, rechtfertigt die Preisgestaltung und verweist auf den entsprechenden Bürgerschaftsbeschluß vom März 2000.

Danach werden die Preise in den normalen Lagen des Festbereiches um zehn Prozent angehoben. Für Stände, die bereits am Freitag öffnen, wird ein Aufschlag von 30 Prozent verlangt und für die Top-Lagen in Bühnennähe wird abhängig von der Bühnengröße im Radius von maximal 50 Meter ein Zuschlag von stolzen 50 Prozent erhoben.

Hintergrund ist, daß Stände an "Premiumplätzen", also denen, die im unmittelbaren Bühnenbereich liegen, das meiste Geld verdienen, "da diese erwartungsgemäß eine höhere Besucherfrequenz als andere Bereiche verzeichnen können", wie es in der Begründung des Bürgerschaftsbeschlusses zur Entgeltordnung heißt.

Die differenzierte Preisgestaltung soll zu mehr Gerechtigkeit bei der Festsetzung der Entgelte für den einzelnen Altstadtfestteilnehmer führen und eine Balance zwischen Kultur und kommerziellen Angeboten herstellen, erklärt Kürbis. Sie verweist darauf, daß Vereine, sofern diese sich nicht am kommerziellen Angebot beteiligen, keine Standgebühr zu entrichten hätten.

Durch die Standvergaben rechnet die LTZ mit Einnahmen von einer halben Million Mark. Weitere 150 000 Mark steuert der Hauptsponsor Holsten bei, der dafür die Exklusiv-Rechte für den Bierausschank hat. Dennoch müsse, so Kürbis, nun nicht jeder Biertrinker zwangsläufig mit Holsten anstoßen. Vielmehr seien alle Marken der Brauerei - Lübzer, Ducksteiner oder König-Pilsener - im Angebot, insgesamt rund zehn Biersorten. Darüber hinaus könnten die gastronomischen Betriebe der Stadt, die sich am Altstadtfest beteiligen, "selbstverständlich ihr Bier (also nicht eins der Holsten-Brauerei; d. Red.) ausschenken", sagte Kürbis der SZ.

Weitere Einnahmen sollen durch den Verkauf des Altstadtpasses (zehn Mark) erzielt werden. Der Vorverkauf soll am
1. August beginnen. Mit 20 000 Pässen, die zugleich an allen drei Festtagen als Bustickets anerkannt werden, wird gerechnet, so daß die Gesamteinnahme bei 837 000 Mark liegt.

Dafür wird ein hoch attraktives Programmangebot finanziert, das etliche zehntausend Besucher anlocken soll. Daran glaubt auch Holger Bock, 1. Vorsitzender des Schaustellerverbandes Lübeck und Umgebung e.V.: "Was geboten wird, ist sicher gut. Unmut gibt es allerdings bei einigen Schaustellern über die Preisgestaltung." Die Standpreise seien teilweise schon recht hoch. Doch selbst Bock rechnet mit einem Erfolg des Festes.

Damit dieser eintritt, werden zwei zentrale Forderungen der Bürgerschaft umgesetzt: Das Fest erhält wieder ein Motto: "Lübeck 2000 - Kulturerbe ist Zukunft" und auch ein Spendenobjekt aus dem Bereich Denkmalpflege ist ausgewählt worden. "Denk mal an: Holstentor" heißt es diesmal. Der erste Teil des Slogans soll auch für zukünftige Feste verwendet und dann um das jeweilige Spendenobjekt ergänzt
werden.

Und letztlich wird Lubinchen reaktiviert. Dieses Maskottchen, eine lübsche Altstadtmaus, war bei den ersten Festen ein beliebter Bestandteil des Innenstadttrubels.

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