Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 25. Juli 2000

Die Halle ist mit Teeröl überzogen

Die Lübecker Hafengesellschaft saniert das verseuchte Pfleiderer-Gelände

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Die Imprägnierhalle ist dunkel von Teeröl, alles ist glitschig, die weißen Schutzanzüge der Arbeiter sind nach kurzer Zeit schwarz verschmiert: Sanierungsalltag; Foto: M. Rulfs

Die Lübecker Hafengesellschaft (LHG) saniert ein Gelände voll chemischer Altlasten an der Fabrikstraße in Schlutup, das sie Ende der 90er Jahre von der Firma Pfleiderer gekauft hat. Diese imprägnierte dort Telegraphenmasten und Bahnschwellen mit Schwermetallsalzen und Teeröl. Es war bekannt, daß das Gelände saniert werden mußte; das Geld, das die LHG damals beim Kauf sparte, steckt sie heute in die Sanierung. Karsten Brüning von der LHG, Leiter des Terminal Schlutup, ist jedoch "froh, daß wir das Grundstück erwerben konnten". Es liegt günstig, direkt neben dem großen Papier- und Zellstoffterminal der LHG, wo jedes Jahr rund eine Million Tonnen Papier umgeschlagen wird. Brüning arbeitet zur Zeit an Plänen, wie das neue Gelände nach der Sanierung genutzt werden kann.

Haltbar durch Metallsalze

Eine Luftaufnahme von Ende der 50er Jahre zeigt das Gelände der Firma Pfleiderer im Hochbetrieb: Neben der heute noch stehenden Imprägnierhalle gab es eine Anzahl weiterer Hallen und Gebäude; wasserseitig lagerten dicht an dicht rohe helle Baumstämme, zur Fabrikstraße hin war das Gelände bedeckt mit dunklen, bereits behandelten Masten und Pfählen.

Auf Schienen wurden die Hölzer mit Loren in die Imprägnierhalle direkt in große Tanks hineingefahren. Die Tanks wurden mit heißem Teeröl gefüllt, in dem die Hölzer so lange bliene, bis sie völlig durchtränkt waren. Über einem Abtropfbecken außerhalb der Halle wurde das Holz bis zur Trocknung gelagert.

Der Geruch von Teeröl, der im Sommer auch alten Bahnschwellen entströmt, liegt heute noch schwer über der Imprägnierhalle. Tanks, Rohre, Boden und Wände sind mit Teeröl überzogen. Arbeiter in hohen Gummistiefeln und weißen, nach kurzer Zeit teerölschwarzen Schutzanzügen sind dabei, die Halle in ihre Einzelteile zu zerlegen. Gleichzeitig pumpt ein Tankwagen die flüssigen Rückstände vom Grund der Halle ab. "Eine eklige Arbeit", so der Sachverständige Hans-Ulrich Mücke, der das Sanierungskonzept erstellt hat und die gesamte Sanierung leitet und überwacht.

Die Halle und das sie umgebende Gelände sind so stark mit PAKs, Phenolen, Quecksilber, Chrom und Arsen verseucht, daß das Erdreich mit einer bis zu 14 Meter tiefen Wand gegen die Umgebung und das Grundwasser abgedichtet werden soll. Von oben her wird das Gelände erst provisorisch verschlossen, später zusammen mit dem gesamten Gelände versiegelt. Eine Grundwasser-Reinigungsanlage soll installiert werden, die das Grundwasser in diesem "Topf" ansaugt und gereinigt in die Trave leitet.

Ein Kontaminationsherd unbekannten Ursprungs, der sich im Lauf der Messungen als stark arsenbelastet erwiesen hat, liegt im Bereich einer Erdaufschüttung im Westen des Geländes. Hier ist das Arsen punktmäßig konzentriert, es sieht aus, so Mücke, als habe hier "immer mal jemand eine Schubkarre voll abgeladen". Insgesamt rechnet er mit einem Abschluß der Sanierungsarbeiten zum Jahresende.

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