Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 03. Februar 1998

Luther von Lübeck

450. Todestag von Hermann Bonnus

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Hermann Bonnus; Foto: Stadtbibliothek

Hermann Bonnus, das ist der Luther von Lübeck. Zum 450. Todestag will das Kulturamt zusammen mit der Stadtbibliothek und dem Kirchenkreis ihm zu Ehren eine Veranstaltung ausrichten. Eingeladen dazu ist Wolf-Dieter Hauenschild, Professor für Kirchengeschichte in Münster. Hauenschild wird über Hermann Bonnus und die Gestaltung der Reformation in Lübeck referieren, während Kulturamtsleiterin Ada Kadelbach in ihrem Vortrag die Bedeutung des evangelichen Kirchengesangs für die Reformation herausstellen und untersuchen will, welche Rolle Bonnus dabei spielte.

Der zweite Teil des Abends ist Hermann Bonnus als Förderer des evangelischen Kirchengesangs gewidmet. Der Tenor Werner Buchin singt Choräle der Reformationszeit, er wird begleitet von Organist Christof Pannes. Der musikalisch umrahmte Vortrag mit Begleitausstellung ist für den 11. Februar, 19.30 Uhr, in der Stadtbibliothek geplant. Anwesend werden auch Kultursenator Ulrich Meyenborg und Propst Niels Hasselmann sein.

Erster Rektor und Superintendent

Hermann Bonnus (1504 - 1548) war der erste Rektor des Katharineums und der erste Lübecker Superintendent. Er studierte bei Luther und Melanchthon. Nach der Reformation in Lübeck wurde er nach Umwandlung des Katharinenklosters in eine Gelehrtenschule durch Vermittlung von Bugenhagen zum ersten Rektor bestellt, 1532 auch zum ersten Superintendenten. Durch geschickte Kirchenpolitik trug er entscheidend dazu bei, daß die Reformation nach den Wirren der Wullenwever-Zeit (Wullenwever erteilte ihm 1534 Predigtverbot) nicht rückgängig gemacht wurde. Dabei wurden allerdings die in Bugenhagens Kirchenordung von 1531 vorgesehenen demokratischen Elemente aufgegeben, um die evangelische Lehre auf Dauer zu sichern. Bonnus spielte eine entscheidende Rolle bei der Festigung des konservativen Luthertums in Norddeutschland und im Ostseeraum und sorgte dafür, daß Lübeck die Führungsstellung erhielt.

Bonnus' Bedeutung geht in seinem kirchenpolitischen Wirken weit über Lübecks Grenzen hinaus. Sein Katechismus und das erste Lübecker Gesangbuch von 1545 fanden große Verbreitung im gesamten niederdeutschen Sprachgebiet bis ins 17. Jahrhundert hinein. Der evangelische Kirchengesang, der für die Durchführung der Reformation in Lübeck eine herausragende Rolle spielte, wurde von ihm besonders gefördert durch Bearbeitung alter lateinischer Hymnen im evangelischen Sinne und durch die Übertragung lateinischer und hochdeutscher Gesänge ins Niederdeutsche. Er wurde im gesamten deutschen und skandinavischen Sprachgebiet auch bekannt durch eigene Dichtungen, von denen sein berühmtes Passionslied "Och wy arme Sünders" (Ach wir armen Sünder) noch in heutigen Gesangbüchern steht.

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