Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 24. Oktober 2000

Dicht oder nicht?

Arsen: Kontroverse über Sanierung

Zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen Umweltsenatorin Dr. Beate Hoffmann und Hans-Jürgen Schubert von Bündnis 90/Die Grünen kam es in der Sitzung bei der Beratung der Berichte zur Grundwassersitua-
tion im Bereich Herrenbrücke/ Herrentunnel, zu den erhöhten Arsen-Funden im Lübecker Trinkwasser sowie über die Arsenbelastung des ehemaligen Pfleiderer-Geländes in der Mecklenburger Straße, das sich jetzt im Besitz der Lübecker Hafen-Gesellschaft befindet. Schubert bemängelte, daß die geplante Einkapselung der Arsen-Bodenverunreinigung durch eine Dichtwand als Sanierung bezeichnet werde. Für ihn bedeute Sanierung, daß die Schadstoffe abgetragen werden. Dies sei hier aber nicht der Fall. Nicht einmal der Begriff "Einkapselung" sei zutreffend, so Schubert, weil unterhalb des kontaminierten Bodens keine Dichtwand vorgesehen sei.

Dagegen erklärte die Umweltsenatorin, daß zur Zeit eine Gefährdungsabschätzungsuntersuchung als Voraussetzung für weitere Maßnahmen im Gange sei. Außerdem werde in einem weiteren Schritt das kontaminierte Wasser durch Aktivkohlefilter gereinigt. "Das ist sehr wohl Sanierung", betonte Hoffmann. Und schließlich sei der kontaminierte Boden "aufgrund der geologischen Gegebenheiten sehr wohl von unten abgedichtet."

"Kein Geologe wird erklären, daß geologisches Gestein völlig undurchlässig ist", entgegnete Schubert. Mit Blick auf den unter dem kontaminierten Boden und der Gesteinsschicht (als Schutzschicht) entlangführenden Grundwasserleiter warnte er vor trügerischer Sicherheit. "Vielleicht müssen das dann unsere Kinder ausbaden." Ein Vorgang sei nicht schon deshalb eine Sanierung, weil er so bezeichnet werde.

Die Berichte wurden von derBürgerschaft zur Kenntnis genommen. Ursprünglich hatte die SPD-Fraktion zwei Anträge für weitere Messungen in den genannten Bereichen gestellt, sie dann aber zurückgezogen, weil die geforderten Maßnahmen mittlerweile bereits im Gange seien.

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