Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 24. Oktober 2000

Wie heißt die Schwester der "Passat"?

"Pamir", "Pommern", "Padua","Krusenstern" oder gar "Gorch Fock"?

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Kommen aus einem Hause, sind am engsten verwandt: Die Peking³ (l.) und unsere Passat³; Foto: A.Birk, M.Erz

Wie heißt das Schwesterschiff der "Passat"? Allen denjenigen, die gerne Wetten gewinnen, sei diese Frage empfohlen. Denn für das Schwesterschiff des Lübecker Wahrzeichens halten viele die untergegangene "Pamir". Falsch. Ist es die "Krusenstern" (vormals "Padua")? Auch falsch. Oder die in Marienhamn liegende "Pommern"? Genauso falsch. Etwa die "Gorch Fock"? Völlig falsch.

Das maritime Denkmal der Hansestadt Lübeck hat nämlich nur eine einzige Schwester. Und die heißt "Peking". New York-Reisende wissen das. Die alte Dame liegt dort am Pier in Manhattan, im "South Street Seaport" und steht als Museumsschiff Besuchern aus aller Welt offen.

Die New Yorker Viermastbark gleicht ihrer Lübecker Schwester auf ein Haar, wie Fotos unseres Lesers Andreas Birk beweisen, der gerade aus "Big Apple" zurückgekehrt ist (Daten siehe Stichwort).

Eine richtige Schwester der "Passat" ist die "Peking" deshalb, weil sie vom selben Auftraggeber, der Hamburger Reederei Friedrich Laeisz, in Auftrag gegeben und bei der gleichen Werft gebaut wurde.

Dort, bei Blohm&Voss in Hamburg, entstanden "Peking" und "Passat" nebeneinander im Jahr 1911 und gingen von dort aus in den Folgejahren auf ihre schnellen Reisen nach Valparaiso in Chile, um Salpeter zu transportieren. Beide Schiffe durchlebten eine ähnlich wechselvolle Geschichte, blieben weitgehend in Besitz von Laeisz bis zum Jahre 1932 und fuhren teilweise unter dem Kommando der gleichen Kapitäne.

Während die "Passat" danach für den legendären åländischen Reeder Erikson weiter die Weltmeere befuhr und noch in den 50er Jahren als imposanter Frachtsegler die See durchpflügte, erlebte die "Peking" viele Jahre als stationäres Trainings- und Militärschiff der britischen Royal Navy unter dem Namen "Arethusa". Seit 1976 liegt sie imHudson River in New York.

Doch wie sind "Peking" und "Passat" mit "Pamir", "Padua", "Krusenstern" und der "Pommern" verwandt? Die "Pamir", untergangen am 21. September 1957, ähnelte der "Passat" äußerlich, war ebenfalls eine Viermastbark, wurde jedoch schon 1906 gebaut. Die "Padua" (heute "Krusenstern"), die erst 1926 in Wesermünde gebaut wurde, dürfte allenfalls als Cousine der "Passat" bezeichnet werden. Die "Pommern" wiederum ist überhaupt keine Verwandte. Sie wurde 1903 als "Mneme" in Glasgow gebaut und kam erst 1907 als "Pommern" zu Laiesz, später auch zur Reederei Erikson.

Und die "Gorch Fock"? Bei allen Geistern der Tiefsee: Das Ausbildungsschiff der Bundesmarine ging erst 1958 in Dienst und ist ein "winziges Mickerschiff" im Vergleich zum Lübecker Flaggschiff und ihrer New Yorker Schwester, wie gestandene "Passat"-Fans verächtlich sagen. Nun ja. 81 Meter lang ist die Dreimastbark "Gofo" schon...

Stichwort

SS Peking

Viermastbark

Baujahr 1911

Werft Blohm&Voss, Hamburg

Rumpflänge 99,22 m

Rumpfbreite14,40 m

Rumpfhöhe 8,08 m

Größte Masthöhe 56 m

Tonnage 3100 BRT

Segelfläche 4600 qm

Eigner/Liegeplatz South Street Seaport Museum/NY

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