Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 31. Oktober 2000

"Unbedingt wiederholen"

Erste Mädchenkulturwoche in der Röhre: 50 Teilnehmerinnen in acht Workshops

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Laura Tresnak, 16, Jessica Krisp, 16, und Anika Grunenberg, 16, von "mixed pickles" hatten sichtlich Spaß beim Bemalen der Gipsskulpturen; Fotos (2): N. Dorel

"Wenn ich gewußt hätte, was das für eine Fummelarbeit ist - aber es sieht schon toll aus, wenn es fertig ist", sagt Merle Schewe mit leichtem Stöhnen. Die 13jährige bastelt in der Tiffany-Werkstatt Glaskunst nach eigenen Ideen. Und sie ist eisern: "Jetzt will ich es auch fertigmachen, aber das nächste Mal entscheide ich mich für die Holzwerkstatt." Insgesamt 50 Mäd- chen aus allen Lübecker Stadtteilen im Alter von zehn bis 16 Jahre versuchten sich vergangene Woche in unterschiedlichen künstlerischen und kreativen Techniken und Methoden. Das Kinder- und Jugendkulturhaus Röhre hatte zur ersten Mädchenkulturwoche eingeladen. In acht verschiedenen Werkstätten, von der Seidenmalerei bis zum Computer- und Videoworkshop, konnten die Teilnehmerinnen vier Tage lang ihre Fähigkeiten testen.

Die Idee zu dieser Ferienpaßaktion kam Bärbel Pfanne, Leiterin der Röhre, in einer stillen Minute "Das Angebot ist angelehnt an die Frauenwoche", sagt Pfanne. Es gäbe zwar ähnliche Veranstaltungen, aber wenig zu den Themen Kultur und Medien. Und warum nur Mäd-chen? "Sie behandeln Themen anders, wenn sie unter sich sind." Gerade in diesem Alter spielt die Pubertät eine Rolle - durch Jungen werden sie oftmals vom Thema abgelenkt.

Auch für Behinderte offen

Schnell fand Pfannes Idee viele Anhänger und es entstand eine Gemeinschaftsaktion der verschiedensten Einrichtungen: Tournee Unterwegs, das Mädchen- und Frauencafé, der Jugendtreff Schlutup, das Jugendzentrum Heiweg, die Internationale Mädchengruppe Limone, der Jugendclub Pinasse, das Medienzentrum Lübeck und das Freizeitheim Burgtor beteiligten sich und entsandten Erzieherinnen zur Betreuung der Workshops. Und auch für behinderte Mädchen war die Veranstaltung zugänglich. Elf Mädchen des Vereins mixed pickles griffen zum Pinsel oder zum Hammer. Vor allem die Arbeit im Café der Röhre machte ihnen Spaß. "Problemlos wurden die Mädchen in die Gruppen integriert", so Lena Middendorf von mixed pickles. "Es gab überraschend wenig Be- rührungsängste - eine Wiederholung wäre absolut wünschens- wert." Finanziell wurde die Aktion vom schleswig-holsteinsichen Ministerium für Justiz, Frauen, Jugend und Familie unterstützt.

"Unbedingt wiederholen" war auch das einhellige Urteil der Mädchen. Stolz präsentierten sie zum Abschluß ihre Kunstwerke im Rahmen einer kleiner Ausstellung. "Ich habe einen Schrank für meine Schwester gebaut - sie ist gerade umgezogen", erklärte beispielsweise Alisa Walter, 12, ihr Werkstück. "Die Autogarage schenke ich meinem Bruder zu Weihnachten", meint Anne-Kathrin Giesler, 11. Wie selbstverständlich hatten sie zu Hobel, Bohrmaschine und Hammer gegriffen, um das Holz in die gewünschte Form zu bringen.

Keine Zeit für Pausen

Viele der Mädchen nutzten zum ersten Mal ein Angebot der Röhre. "Mein Vater hat den Prospekt mitgebracht", so Philippa Pohlmann, 12. Zusammen mit ihrer Freundin Janina Schmidt, 13, wollte sie in den Ferien nicht nur zu Hause sitzen. Spontan entschieden sich die Mädchen für die Seidenmalerei. "Wir werden jetzt häufiger in die Röhre kommen - es macht einfach viel Spaß", sind sich die beiden einig.

Daß keine Jungen dabei sind, finden alle Mädchen gut: "Die stören doch sowieso meistens nur." Und daß sie mit Feuereifer am Arbeiten waren, war offensichtlich: "Nicht mal für Pausen hatten sie Zeit", schmunzelt Bärbel Pfanne.

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