Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 21. Juli 2019

Ausgabe vom 31. Oktober 2000

Gespart wird bei den Schwächsten

Zu:"Kommune in höchster Not?". SZ vom 24. Oktober

Daß die Hansestadt sparen muß ist mehr als verständlich angesichts eines drohenden Defizites von 30 Millionen Mark. Aber wie Bürgermeister Saxe in seiner Rede zur Haushaltslage schon richtig anmerkte: Wir dürfen unsere Zukunft der Stadt nicht verspielen. Aber sind nicht auch und vor allem Kinder und SchülerInnen die Zukunft der Stadt?

Dementsprechend wurde in der Bürgerschaft auch mit den Anträgen, der Anna-Siemsen-Schule und der Schule am Koggenweg die vorübergehende Übernahme der Mietkosten für die Räume der Betreuten Grundschule zu gewähren, umgegangen.

Da diese beiden Betreuten Grundschulen im Gegensatz zu den allermeisten anderen Betreuten Grundschulen das große Problem haben, daß sie als Provisorium leben müssen und Kinder aufgrund fehlender Räume zum Beispiel in einem Schulmittellager betreut werden müssen, wären diese vorübergehenden Maßnahmen ein wichtiger Schritt zum Erhalt der Betreuung gewesen.

Trotzdem sahen sich SPD und CDU nicht in der Lage, die Summen von 280 Mark und 507 Mark für die voraussichtliche Dauer von drei Monaten zu bewilligen - insgesamt 2361 Mark, das entspricht etwa 0,008 Prozent des Haushaltsloches - und so die Qualität zweier Betreuter Grund- schulen zu sichern.

Nicht einmal ein Bericht des Bürgermeisters zur Lage dieser beiden Betreuten Grundschulen wurde für nötig gehalten. Dabei wären aufgrund der besseren Situation kaum Forderungen anderer Betreuter Grundschulen aufgetreten.

Zwar tönte es von allen Seiten, wie wichtig Betreute Grundschulen seien, wie nötig Verbesserungen wären und wie dankbar man den engagierten Eltern für die ehren-amtliche Arbeit sei. Doch als es dann zur Abstimmung ging, zeigte sich, daß vor allem der Hohn und nicht die Sorge gesprochen hatten.

Gleichzeitig wurden mit den Beschlüssen, die vollkommen unnötige Messehalle zu bauen, ein großes Fest zur 200-Jahr-Feier in Travemünde auszurichten und das Beichthaus mit 500 000 Mark zu sanieren, Summen ausgegeben, die weit höher liegen.

Sollte diese kinderfeindliche und unsoziale Sparpraxis auch weiterhin betrieben werden, werden diese Betreuungsstätten sicher nicht die letzten sein, die daran zugrunde gehen.

Wer bisher noch glaubte, Lübeck sei eine kinderfreundliche Stadt, sieht sich nun eines Besseren belehrt.

Antje Jansen. MdBÜ, Lübeck

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