Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 24. Juli 2019

Ausgabe vom 31. Oktober 2000

Wenn der Spielplatz zur Müllkippe wird

Ein erschreckendes Beispiel aus Buntekuh - Anlagen werden regelmäßig gereinigt

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Kein Spielplatz für Kinder: Bierdosen auf den Spielgeräten, illegal entsorgte ausgediente Drahtesel (u.); Fotos (2): T. Wewer

Zum Spielen lädt der Platz an der Ziegelstraße, Ecke Korvettenstraße wirklich nicht ein:
Überall liegen Scherben herum, teilweise vom Herbstlaub bedeckt. Auf den wenigen Spielgeräten und um sie herum liegen leere Bierdosen, die von einem kräftigen Gelage zeugen. Unter den Büschen und Sträuchern, die die Spielfläche umzäunen, liegen weitere unzählige Bierflaschen und -dosen herum, verschandeln verdreckte Plastiktüten, zerknülltes Papier und nicht mehr eindeutig identifizierbarer Abfall die Anlage - sogar ein altes Fahrrad wurde hier einfach "entsorgt".

Die "Ausbeute" von nicht einmal fünf Tagen seit der letzten Säuberung durch die MitarbeiterInnen des Bereichs Friedhöfe, die für die Pflege der städtischen (Grün-)Anlagen zuständig sind. Zweimal pro Woche werden die städtischen Spielplätze gereinigt, einmal vor dem Wochenende und einmal danach.

Und dazwischen toben sich die heranwachsenden Vandalen aus. "Wenn die kleinen Kinder zu Hause sind, dann kommen die großen und feiern ihre Partys", berichtet eine Anwohnerin aus der Korvettenstraße. Sie schaut diesem Treiben wütend und zugleich ohnmächtig zu. Sie habe den jungen Leuten sogar schon mal blaue Säcke heruntergebracht, damit sie ihre leeren Dosen und Flaschen dort hineintun können und sie nicht in der Gegend herumwerfen. Mit mäßigem Erfolg.

Bei diesem Dreck wolle doch kein Kind mehr hier spielen, klagt sie. Und gefährlich sei es zudem, wegen der vielen Scherben, die jetzt im Herbst durch die herabgefallenen Blätter der Bäume verdeckt würden.

Müll achtlos weggeworfen

Zerstörungen auf den Spielplätzen, achtlos weggeworfene Gegenstände, vermüllte Grünanlagen - Alltag für die städtischen MitarbeiterInnen. Insbesondere in Gegenden mit Wohn- blockbebauung, weiß Jörg Daerr, habe man damit häufig zu tun. Leider fehle es an Personal und Geld. Dann könnte man noch die 228 Spielplätze in der Stadt öfter reinigen, häufiger kontrollieren und dann würde man auch Zerstörungen schneller reparieren können.

Zerstörungen seien natürlich auch abhängig von den Spielgeräten. Metallgeräte beispielsweise seien unempfindlicher als Holzgeräte. Doch gewünscht werde von den BürgerInnen lieber Holz als Metall.

Jörg Geller vom Bereich Jugenarbeit kennt das "Verwüstungs"-Problem, hat aber auch keine Patentlösung parat. Er verweist auf Spielplatzpatenschaften, die es in einigen Stadtteilen gibt, um das "Verwüstungs"-Problem einzudämmen. Damit mache man gute Erfahrungen.

Ansonsten verweist er auf die "soziale Kontrolle": Jeder Einzelne sei gefordert, sofort einzugreifen, wenn etwa Jugendliche ihren Abfall einfach in die Gegend werfen. Das sei immer noch am wirkungsvollsten. Zumal das achtlose Wegwerfen von Flaschen oder Dosen kaum strafrechtlich geahndet werden kann.

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