Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 12. Dezember 2000

Von der Bahn abgekoppelt

Keine Pläne für Umbau - Geschäfte im Bahnhof schließen Ende Januar

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Bonjour, Tristesse: Ende Januar sollen fast alle Verkaufsläden im Bahnhof schließen; Foto: M. Erz

Die Hansestadt Lübeck fühlt sich von der Deutschen Bahn abgekoppelt: Der Fahrplan wird immer weiter ausgedünnt, die Elektrifizierung der Strecke Hamburg-Travemünde kommt nicht recht voran und auch die seit vielen Jahren zugesagte Neugestaltung des Bahnhofs bleibt bloße Ankündigung.

Nicht zuletzt diese zögerliche Haltung führt nun zu einer weiteren Verschlechterung der Situation. Nach SZ-Informationen schließt Ende Januar nicht nur das Restaurant im denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude, sondern auch eine ganze Reihe der dort ansässigen Geschäfte.

Von der Schließung betroffen ist die Ladenzeile, in der vom Bäcker über ein Bistro bis hin zum Supermarkt die Reisenden sich mit notwendiger Verpflegung versorgen konnten. Wenn die Geschäfte ihren Türe endgültig schließen, dann erhöht sich nicht nur die jahrewährende Tristesse, sondern es gingen dadurch auch 30 bis 40 Arbeitsplätze verloren. Eine schöne Bescherung.

Insider fürchten, daß die immer wieder angekündigte aber bisher nicht umgesetzte Bahnhofsumgestaltung jetzt erst recht auf die lange Bank geschoben wird, seitdem die Finanzmisere beim Unternehmen noch größer zu sein scheint als ursprünglich befürchtet. Denn Bahnchef Hartmut Mehdorn hat in der vergangenen Woche verkündet, daß alle Neubauprojekte sofort gestoppt würden. Daß davon auch Lübeck betroffen ist, bestätigt - indirekt - eine SZ-Nachfrage: Es gebe, so Bahnsprecherin Christine Forstmann aus Hamburg, zur Zeit keine konkreten Pläne für den lübschen Bahnhof.

Die Sprecherin bestätigte lediglich, daß "bahnintern Vorgespräche darüber geführt" würden.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Renate Gröpel sieht den Umbau aufgrund der Ankündigungen des Bahnchefs ebenfalls in weite Ferne gerückt. Dagegen glaubt sie aber nicht, daß damit auch die Elektrifizierung zurückgestellt wird. "Das liegt auch im Interesse der Bahn", so Gröpel. Die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme sei belegt durch die prognostizierten Verkehrszuwächse über die Lübecker Häfen sowie durch den vom Personennahverkehr beabsichtigten 30-Minuten-Takt zwischen Hamburg und Lübeck, so Gröpel, die kürzlich zu einem Expertengespräch zum Thema "Zukunft für Eisenbahn und Hafen in der Hansestadt Lübeck" in das Lübecker Rathaus eingeladen hatte (wir berichteten).

Außerdem, so Gröpel weiter, habe das Land dem Unternehmen bereits die erforderlichen Planungsmittel für die Elektrifizierung zur Verfügung gestellt. Doch auch diesen Optimismus bremst ein Bahnsprecher: "Es gibt dafür keine Terminplanung, sondern lediglich Gespräche innerhalb des Unternehmens."

Lange Zeit hatte sich die Hansestadt Lübeck mit eigenen Plänen zur Umgestaltung des Bahnhofsviertels zurückgehalten und auf entsprechende Vorschläge der Bahn AG gewartet. Ursprünglich war von einem 115 Millionen Mark teuren Shopping-Center über den Gleisen die Rede, dann wurde eine "kleine Lösung" in der Größenordnung von rund 30 Millionen Mark angekündigt.

Nun hat die Stadt über das Koordinierungsbüro Wirtschaft Lübeck (KWL) Nägel mit Köpfen gemacht. Der KWL-Aufsichtsrat steht in Verhandlungen mit einem Hamburger Investor, der aus dem alten Postgebäude ein Zentrum mit Hotel, Handels- und Dienstleistungsangeboten sowie Freizeiteinrichtungen machen will.

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