Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 21. Juli 2019

Ausgabe vom 12. Dezember 2000

Wir sind an diesem Konflikt mitschuldig

Zu: "Die Lösung ist eine räum-liche Trennung". SZ vom 14. November

Die Darstellung des Palästinakonflikts ist vereinfachend und falsch. Der heutige Nahost-Konflikt hat seine Ursache im Ersten Weltkrieg in der Balfour-Deklaration.

Um den Einfluß der jüdischen Verbände, besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika, für Großbritannien zu gewinnen, versprach sein Außenminister den Juden in Palästina "eine nationale Heimstatt unter Einhaltung der politischen und religiösen Rechte der dort vorhandenen nichtjüdischen Gemeinschaften."

Nach dem Ersten Weltkrieg vergaßen die Briten und die Franzosen, den Arabern - die ihnen geholfen hatten, die Türken zu besiegen - das versprochene Selbstbestimmungsrecht zu gewähren. Vielmehr wurden die Araber unter die Mandatsverwaltung gestellt.

Britannien teilte von seinem Mandatsgebiet den unfruchtbaren Wüstenstaat Transjordanien ab und machte ihn zu einem Vasallen-Staat. Das restliche Palästina war damals mehrheitlich arabisch bevölkert. Britannien duldete die jüdische Einwanderung - von 1917 bis 1947: 402 000 Menschen, von 1948 bis 1950:
528 000 Menschen. Im Gegenzug wurden nach UN-Angaben aus diesem Gebiet bis 1951 völkerrechtswidrig 900 000 Araber vertrieben.

Diese und ihre Nachfahren leben zum Teil heute noch in lagerähnlichen Gebilden in den Staaten um Israel herum und sorgen für den Nachwuchs auf radikaler arabischer Seite. Gleichzeitig werden auf israelischer Seite durch orthodoxe Radikale alle Versuche verhindert, zum Frieden zu kommen. Man mißachtet die Menschenrechte und die Resolutionen der Vereinten Nationen (UN). Man scheut nicht vor Morden an fremden und eigenen Vermittlern zurück: Graf Bernadotte und Rabin.

Wir Deutschen sind an diesem Konflikt nicht unschuldig, denn wir sorgten, wenn auch nicht allein, für die Auswanderungsflut aus Europa. Ferner haben wir ab 1952 direkt an Israel drei Milliarden Mark gegeben - neben Zahlungen in unbekannter Höhe an die jüdischen Verbände.

Ab 1959 lieferten wir dann offen Waffen an Israel.

Horst Conrad, Groß Grönau

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