Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 12. Dezember 2000

Kein Verkauf des Forstes Ritzerau

SPD

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V.i.S.d.P.: Lothar Koch

Im Süden Lübecks, auf
lauenburgischem Gebiet, liegt der 650 Hektar große Forst
Ritzerau. Seit 1465 im Besitz der Hansestadt Lübeck, wird hier auf einem Sechstel der stadteigenen Waldfläche Forstwirtschaft nach dem Konzept der "Naturnahen Waldnutzung" betrieben. 1995 in der Bürgerschaft einstimmig beschlossen, wird hier im Sinne der Agenda 21 nachhaltig, ohne Kahlschläge, ohne jeglichen Chemieeinsatz, eine Idee umgesetzt, die zwischenzeitlich von vielen anderen Forstbetrieben übernommen wurde. Die Umweltverbände stehen hinter diesem Kon- zept. "Naturland" hat die erste ökologische Zertifizierung für das Holz aus diesem Forstbetrieb vergeben. Mehrere nationale und internationale Auszeichnungen belegen die weltweite Anerkennung für die hier praktizierte Waldnutzung. Die im Forst Ritzerau gelegene, ökologisch besonders wertvolle "Referenzfläche" - nach dem Konzept der "Naturnahen Waldnutzung" - in der Größe von 163 Hektar darf nicht bewirtschaftet werden. Bei einem Verkauf des Forstes würde diese Fläche vollständig wegfallen. Lübeck müßte in seinen verbleibenden Waldflächen eine neue Referenzfläche von rund 100 Hektar ausweisen. Dies würde eine deutliche Verschlechterung der Wirtschaftlichkeit mit sich bringen. Andernfalls würde der "Naturland"-Verband sofort die Zertifizierung zurücknehmen. Ein Verzicht auf den wesentlichen Marktvorteil gegenüber den anderen Holzanbietern wäre die Folge. Betriebswirtschaftlich wäre dies mit einem Fiasko verbunden. Die Erträge der im Kreis Herzogtum Lauenburg gelegenen Lübecker Forstflächen sind mehr als doppelt so hoch wie die der stadtnahen Wälder. Neben der wesentlich besseren Bodenqualität können sie mehr nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen betrieben werden als die stadtnahen Erholungs- und Naturschutzflächen. Der städtische Forstbetrieb würde die übliche und sinnvolle Größe eines funktionsfähigen Forstamtes verlieren. Seit 1989 sind die Verkaufserlöse für Forstflächen auf die Hälfte des früheren Wertes gefallen. Nach wenigen Jahren wäre der vermeintliche Vorteil verbraucht um den Preis des Verlustes der ökologischen Glaubwürdigkeit der Hansestadt Lübeck.

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