Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 12. Dezember 2000

Sparliste weiterdenken: Holstentor privatisieren

V.i.S.d.P.: Carl Howe

Bündnis 90 / Die Grünen

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Autor: Karl-Heinz Haase

Hiermit möchte ich dem Bürgermeister der Hansestadt Lübeck einen Vorschlag zur endgültigen Sanierung des Haushaltes unterbreiten: Das Holstentor ist einer namhaften norddeutschen Großbrauerei zu verkaufen. Es wären vier Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

1. In Anbetracht des hohen Bekanntheitsgrades der historischen Immobilie wäre ein Preis weit oberhalb der übrigen städtischen Objekte zu erzielen.

2. Die mit der Privatisierung einhergehenden baulichen Veränderungen könnten vertraglich so geregelt werden, daß sie der historischen Bausubstanz nicht abträglich sind.

So könnte man an beiden Türmen jeweils einen überdimensionalen Zapfhahn von außen anbringen - vom Bahnhof aus gut sichtbar. Das Gebäude bliebe also in seiner Grundsubstanz erhalten.

Auch in einem anderen Punkt ließen sich denkmalpflegerische Aspekte gut berücksichtigen: Die Inschrift des Holstentores müßte nur geringfügig im ersten Wort geändert werden, nämlich in: CEREVISIA DOMI FORIS PAX - Das Bier in den Häusern sei der Friede auf den Marktplätzen beziehungsweise in der Bürgerschaft.

Ich denke, damit könnten die meisten Lübecker gut leben.

3. Die neueste Bürgermeister-Direktive - "Kultiviertes Konsumieren in historischen Räumen" - würde sichtbaren, geradezu symbolhaften Ausdruck finden.

Anstelle eines Wahrzeichens, das ohnehin nicht mehr zeitgemäß ist, hätten die Lübecker endlich ein "Label". Die Touristen, die in die Stadt kommen, wüßten dann gleich, daß man in der Altstadt nicht nur gucken, sondern auch essen, trinken und kaufen kann.

4. Unsere schmachvolle Tilgung aus dem 50-Mark-Schein hätte Wiedergutmachung gefunden. Auf schmucken 50-Liter-Fässern könnte das Holstentor endlich wieder durch die weite Welt rollen.

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