Ausgabe 178 vom 29.05.2001

Sakrale Kunst nach Riga
Kerckring-Altar und Mondsichel-Madonna gehen auf Reisen


Mitteltafel des spätmittelalterlichen Kerckring-Altars, der vom St. Annen-Museum bis Ende des Jahres für die große Ausstellung in Riga ausgeliehen wird.; Foto: Museum

Das St. Annen-Museum hat zwei Kostbarkeiten aus seiner berühmten Sammlung - den Kerckring-Altar und die Mondsichel-Madonna - auf die Reise nach Riga geschickt. Von den wertvollen Kunstwerken wird der Altar am Ende dieses Jahres wieder zurückkehren, während die Madonna dann für immer in der lettischen Hauptstadt verbleibt.

Der Grund dafür, daß sich das Museum von den einmaligen schönen Zeugnissen des frühen 16. Jahrhunderts trennt, ist die 800-Jahr-Feier von Riga in diesem Jahr. Den Auftakt dazu bilden die 21. Hansetage der Neuzeit, die in diesem Jahr aus diesem Anlaß dort abgehalten werden, sowie die Eröffnung einer umfassenden Ausstellung der Brederlo-Sammlung im dortigen Museum für ausländische Kunst am 7. Juni in Anwesenheit von Kultursenator Ulrich Meyenborg.

Ehemals Privat

Denn der Kerckring-Altar gehörte ehemals in die Brederlo-Sammlung in Riga. 1943 wurde er der Stadt Lübeck "geschenkt". Herrn von Brederlos Nachkommen fochten die Schenkung an. Nachdem sie als Eigentümer anerkannt worden waren, übergaben sie den Altar 1991 der Hansestadt als Dauerleihgabe, damit er im St. Annen-Museum der Öffentlichkeit zugänglich bleibt.

Der Kerckring-Altar wurde 1520 von Jacob van Utrecht vermutlich als Privataltar für den Lübecker Ratsherrn Heinrich Kerckring und seiner Frau Ka-tharina gemalt. Nun wird das gute Stück die Ausstellung zieren, zu der auch alle außerhalb Lettlands befindlichen Stücke - darunter auch aus Hamburg und München - der Brederloschen Sammlung noch einmal zusammenkommen.

Bis zum Jahresende 2001 wird an Stelle des Kerckring-Altars gegenüber dem Memling-Altar das Bildnis des Lübecker Kaufmanns Hans Sonnenschein (gemalt Anfang des 16. Jahrhunderts von Hans Kemmer) zu sehen sein.

Endgültig hingegen trennt sich das St. Annen-Museum von der spätmittelalterlichen Madonna auf der Mondsichel, die bislang im Kapitelsaal zu sehen war. Denn dieses Werk eines unbekannten Meisters, das in den Wirren des Zweiten Weltkriegs in die Hansestadt gebracht und der hiesigen Kunstsammlung einverleibt wurde, gehörte nachweislich in die "Große Gilde" der Stadt Riga.

Symbolische Übergabe

Die Madonna auf der Mondsichel wurde bereits im Oktober 1999 symbolisch vom damaligen Bürgermeister Michael Bouteiller an den lettischen Botschafter Andris Teikmanis übergeben. Zum Höhepunkt der 800-Jahr-Feiern Rigas am 17./18. August nun wird das Kunstwerk in einem Festakt offiziell von Bürgermeister Bernd Saxe und Museumsdirektor Dr. Thorsten Rodiek überreicht. Es wird dann seinen endgültigen und zentralen Platz im Museum für Riga-ische Stadtgeschichte und Schifffahrt finden.

Die Mondsichel-Madonna begleitet den Kerckring-Altar schon jetzt, da eine Spezialfirma den Transport mit allen gebotenen Vorsichtsmaßnahmen übernimmt. Kultursenator Ulrich Meyenborg hat der "Ausleihe" des hochempfindlichen, auf Holz gemalten Altars zugestimmt - auf Grund der Jahrhunderte alten Verbundenheit der beiden Hansestädte und des besonderen Schicksals dieses Kunstwerks.


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